Die Kunsthandwerker vom Gselle-Theater

Bevor im Gselle-Theater der erste Satz gesprochen wird, haben sie längst ihre eigene Geschichte geschrieben: Mit Holz, Farbe, Werkzeug, viel Kreativität und einer Leidenschaft, die dem Theater zusätzlichen Zauber verleiht.

Wenn im Januar, wie jedes Jahr, im Monséjour der Theater-Vorhang aufgezogen wird, beginnt für das Publikum ein unterhaltsamer Theaterabend. Für vier engagierte Bühnenbauer ist genau das die stille Belohnung monatelanger Arbeit: Der Moment, in dem ihr Bühnenbild zum Leben erwacht. Toni Hess, Clemens Camenzind, Toni Betschart und Seppi Ulrich bilden das eingespielte Bühnenbau-Team des Küssnachter Gselle-Theaters. Zum Teil seit Jahrzehnten dabei, sorgen sie mit Herz, Handwerk und einem unerschöpflichen Ideenreichtum dafür, dass das jährliche Theaterstück des Gselle-Theaters eine glaubwürdige und liebevoll gestaltete Kulisse erhält.

Ein Handwerk aus Leidenschaft gewachsen
Wer mit Toni Hess spricht, merkt schnell: Bühnenbau ist bei ihm mehr als ein Hobby. Seit rund 40 Jahren prägt er die Kulissen des Gselle-Theaters massgeblich. Ursprünglich über die Kolping-Familie zum Gselle-Theater gekommen, fand er schon früh Gefallen daran, etwas Sichtbares, Greifbares zu schaffen. «Man sieht nachher etwas, das hat mich schon immer fasziniert», sagt er. Heute ist er im Bühnenbau-Team unter anderem mit Schreinerei, Malerei und Illustration beschäftigt und kommt überall zum Einsatz, wo geklebt, gesägt oder gefeilt wird.

Für Toni Hess ist klar, die vier Bühnenbauer vom Gselle-Theater sind ein Team, das von unterschiedlichen Stärken lebt: Handwerkliche Begabung, technisches Verständnis, gestalterisches Gespür. Was sie verbindet, ist die Freude am gemeinsamen Schaffen, und die Bereitschaft, auch als Laien-Theater eine Professionalität an den Tag zu legen, die das Publikum immer wieder ins Staunen versetzt.

Auch Sägen gehört dazu: Bühnenbauer Toni Hess arbeitet sorgfältig an jedem Detail.

Inspiration aus Alltag, Ferien und Theaterbesuchen
Gute Bühnenbilder entstehen bei ihnen nicht am Schreibtisch, sondern unterwegs, im Alltag, beim spontanen Blick auf ein stimmiges Detail. Hess erinnert sich etwa an eine Bar in einer österreichischen Berghütte, deren Atmosphäre er prompt in einem Bühnenbild umsetzen konnte. «Ich muss die Sachen einfach sehen und spüren», erklärt er. Für Toni Hess ist das Theater das ganze Jahr omnipräsent, er gehe immer mit offenen Augen durch den Alltag und lasse sich oft inspirieren, Ferien oder generell Aufenthalte an fremden Orten und der Besuch von anderen Theatern seien aber ebenfalls wertvolle Inspirationsquellen. Zur Vorbereitung und Planung eines Bühnenbildes ist aber auch der Austausch mit Regie und den Theater-Spielern, das Beobachten der Proben unabdinglich. Nur so kann man das feine Gespür entwickeln, welche Elemente eine Szene benötigt.

Wir können im Grunde jede Anforderung umsetzen – irgendwie.

Toni Hess, Bühnenbauer

Bevor gesägt und geschraubt wird, entsteht ein erstaunlich detailliertes Modell. Dieses dient als gemeinsames Arbeitsinstrument: Regie und Bühnenbauer diskutieren daran Abläufe, Gestaltung, Einrichtung und technische Anforderungen. Flexibilität gehört dabei zum Alltag, spontane Änderungen aus den Proben können natürlich immer wieder zu Anpassungen führen. Toni Hess sieht das pragmatisch: «Als Bühnenbauer muss man flexibel sein, das gehört zu unserem Job».

Toni Hess wirkt seit rund 40 Jahren im Bühnenbau des Gselle-Theaters Küssnacht mit, für ihn ist Theater eine Passion.

Handwerk zwischen Pragmatismus und Kunst
Das Gselle-Theater arbeitet naturgemäss mit begrenzten Mitteln. Das ist zwar eine Herausforderung, führt aber gleichzeitig immer wieder zu kreativen Lösungen. Vieles wird selbst hergestellt, wiederverwendet, abgeschliffen, übermalt und neu zusammengesetzt. Die Grundkonstruktion aus Holzelementen wird dabei für jede Produktion neugestaltet. «Wir können im Grunde jede Anforderung umsetzen – irgendwie», sagt Hess mit einem Schmunzeln.

Als Bühnenbauer muss man flexibel sein, das gehört zu unserem Job.

Toni Hess, Bühnenbauer

Immer wieder entstehen dabei Kulissen, die auch in professionellen Produktionen Eindruck machen würden: Ein Zirkuszelt samt zwei Wagen, ein kunstvoll gestaltetes Himmelstor oder die Eingangshalle eines Hotels, für deren Gestaltung das Team sämtliche historischen Hotels in Luzern inspizierte. Für ein anderes Stück räumten sie sogar ein Hotelzimmer im Swiss-Chalet aus, um die Elemente als Requisiten zu nutzen. Ein weiteres Mal wurden komplette Bühnenbild-Elemente von einem befreundeten Theater nach Küssnacht transportiert, weil sie perfekt zur Produktion passten. Solche Geschichten gehören zum gelebten Alltag des Bühnenbaus und zeigen, wieviel Kreativität und Engagement hinter jeder Kulisse stecken.

Jedes Bühnenbild beginnt mit einem detaillierten Modell, Bühnenbauer Toni Hess erklärt die Planungsschritte anschaulich.

Drei bis vier Monate gelebter Teamgeist
Während der Probe-Zeit vor den Aufführungen trifft sich das Bühnen-Team wöchentlich ein- bis zweimal in der Woche. Wenn nötig, werden manchmal auch zusätzliche Stunden investiert. Und diese Leidenschaft spürt man: Im Detailgrad der Kulissen, der handwerklichen Sorgfalt und der Liebe zum Theaterspiel, die jede Schraube begleitet.

Auf die Frage welches Bühnenbild Toni Hess schon immer gerne realisiert hätte, meint er mit einem Augenzwinkern: «Vielleicht eine Nachbildung des Küssnachter Hauptplatzes». An Material für gute Theater-Geschichten würde es vor dieser Kulisse wahrscheinlich tatsächlich nicht fehlen.

Der schönste Lohn
Toni Hess beschreibt den emotionalsten Moment ohne Zögern: «Wenn der Vorhang aufgeht, geht einem schon das Herz auf.» Am meisten schätzt das Bühnenbau-Team den lebhaften Austausch nach der Vorstellung an der Theaterbar, wenn man mit den Gästen über kleine Details sprechen kann, die dem Stück seine besondere Atmosphäre und seinen Charakter verleihen.

Theater, sagt Hess, sei Teamsport. Die Spieler stehen zwar auf der Bühne, doch ohne Maske, Technik, Ton, Requisite und Bühnenbau gäbe es keine Produktion, keine Bühne für die Emotionen, keine Welt, in der die Figuren überhaupt leben könnten. «Die Fussballspieler stehen zwar auf dem Platz», erklärt Hess, «aber ohne präparierten Rasen und Linien gibt es kein Spiel.» Genau so ist es im Theater: Am Ende braucht es alle.

Blick nach vorn
Die Bühnenbauer es Gselle-Theaters denken trotz jahrzehntelanger Erfahrung auch an die Zukunft. Der Wunsch nach jungen Menschen, die Freude am Handwerk und am Theater mitbringen, klingt bei Hess deutlich durch. Es braucht wieder frische und neue Ideen für künftige Bühnenbilder.

Was die Bühnenbauer des Gselle-Theaters schaffen, ist mehr als Kulisse. Es ist gelebte Hingabe, ein Stück Küssnachter Kultur, ein Handwerk, das mit Herz und Humor gepflegt wird und ohne das jede Vorstellung ein Stück weniger Zauber hätte. Das Gselle-Theater-Team arbeitet bereits seit einigen Wochen am neuen Stück «Die goldige Cherzeständer». Die Ticket-Reservation für die Aufführungen im Monséjour – Zentrum am See ist möglich ab 10. Dezember unter gselle-theater.ch. Das Küssnachter Gselle-Theater freut sich auf Ihren Besuch!

Aufführungsdaten:
Samstag, 17. Januar 2026, 13.30 und 20 Uhr
Sonntag, 18. Januar 2026, 18 Uhr
Mittwoch, 21. Januar 2026, 20 Uhr
Freitag, 23. Januar 2026, 20 Uhr
Samstag, 24. Januar 2026, 20 Uhr
Sonntag, 25. Januar 2026, 18 Uhr

Die Kasse und unser Beizli sind an den Abendvorstellungen jeweils ab 18.45 Uhr und Sonntag ab 16.30 Uhr offen. Geniessen Sie Köstlichkeiten aus unserer Küche.


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